warum ich unter italienischen verkehrsregeln litt


wir waren in der toskana. mit dem auto. uns wurde sehr oft ganz knapp hinten aufgefahren. fast ebenso oft wurden wir überholt, nicht selten in überholverboten, über doppelte sperrlinien, auf sperrflächen und/oder mit doppelt so hoher geschwindigkeit wie erlaubt.

nun halte ich es mit regeln so wie wolf lotter es im mai-brand eins zum thema loyalität formuliert hat: “Ein loyaler Bürger ist einer, der Recht und Ordnung ernst nimmt, unter allen Umständen, auch solchen, die ihm gerade gar nicht in den Kram passen. Diese Loyalität ist nicht die Obrigkeitshörigkeit des Spießers, sondern eine selbstbewusste und vernünftige Angelegenheit. Loyale Leute stehen zum System, weil sie dessen fundamentalen Nutzen für sich verstanden haben.”

dumme regeln befolge ich allerdings nicht. wenn ich radle, bleibe ich mitten in der nacht, wenn weit und breit kein auto zu sehen ist, bei rot nicht stehen. und ich mag es auch gar nicht, wenn regeln mich in meiner intelligenz beleidigen.

was ich da beim autofahren in italien erlebt habe, war mir ein neuer aspekt. ich hatte das gefühl, von einer regelung verarscht zu werden. die 40 km/h-beschränkungen bei autobahn-knoten, selbst in den langgezogenen kurven, die 100 vertragen, habe natürlich nur ich eingehalten. (in diesem fall allerdings vorrangig, weil ich noch die paranoia in mir trage, als ausländerin freiwild für polizistenwillkür zu sein.) passiert ist eingangs geschildertes.
verarscht bin ich mir deshalb vorgekommen, weil ich glaube, dass die 40er-beschränkung gemacht wurde, weil dort maximal 80 gefahren werden sollte, bei einer 80er-beschränkung aber alle 120 fahren würden.

und das ärgert mich: ich, die ich den fundamentalen nutzen von regeln verstanden habe, bin jetzt die blöde, weil ich sie respektiere. würden das alle tun, stünde dort ein 80er-schild statt einem 40er, und alle, also auch ich, führen 80!