butterbrot und honigsemmel


ich war gestern bei einem kamingespräch geladen. übrigens eine sehr nachahmenswerte privat-initiative: eine familie mit großer wohnung und einem kamin stellt ihr wohnzimmer für diskussionsrunden im freundeskreis zur verfügung. dazu wird jemand eingeladen, der zum gewünschten thema was zu sagen hat. gestern wurde das thema bio-landbau und -lebensmittel diskutiert, ich durfte mein wissen einbringen. dazu gab’s brötchen und wein. ein sehr feiner abend!

irgendwann kamen wir auf das verzichten zu sprechen. das überleben der menschheit und auch die individuelle gesundheit sei ja wohl nur zu sichern, wenn man auf vieles verzichte: himbeeren im winter, fleisch möglichst generell etc.
ich bin da ja ganz anderer meinung und tat sie natürlich kund: kognitive umstrukturierung nennt’s die psychologie, ich nenne lieber ein beispiel: statt “ich esse weniger fleisch” sage ich “ich genieße die kulinarischen vorzüger der vegetarischen küche” oder “den sonntagsbraten zelebriere ich”.

heute habe ich das kulinarische highlight des tages schon zelebriert: butterbrot und honigsemmel. ich bin beim gragger in der siebensterngasse vorbeigeradelt und habe mir roggenvollkornbrot und ein handsemmerl mitgenommen. das dann mit butter und honig versehen. mehr braucht dieses gebäck nicht. und das ist kein verzicht, das ist der himmel auf erden!

strudeldrama, hollywoodesk

strudeldrama, hollywoodesk


aaaalso. vorigen mittwoch haben wir gestrudelt. den original wiener apfelstrudel aus österreichisch vegetarisch. k., e. und ich. für mich war’s der erste selbstgezogene strudelteig meines lebens!
eines gleich vorweg: ein ziehtechnisches desaster (bild 1), das dem geschmack freilich keinen abbruch getan hat (kein bild, habe ich vor lauter genießen vergessen, zu fotografieren).
nach abklären der möglichen ursachen (mehltype: glatt, öl: rapsöl, nicht nativ, knetung: 200 mal [die 150 gemäß anleitung von k. plus meine 50 sicherheitsknetungen], rasten: eine gute stunde, in frischhaltefolie, auf einem holzbrett, in der warmen küche) gelangten wir zur hypothese, dass es nur das öl sein könnte. eine ganz naturwissenschaftliche erklärung: rapsöl hat weniger mehrfach ungesättigte fettsäuren (pufas) als das von k. bei gelungenen ziehungen immer verwendete sonnenblumenöl. und pufas sind beweglicher, deshalb ist zum beispiel auch das sonnenschweinderl-schmalz ein bissl flüssiger als herkömmliches, weil es mehr pufas und damit einen niedrigeren schmelzpunkt hat. und, so schlossen wir wissenschaftlich weiter, das könnte dann auch der grund sein, warum jede(-r) weiß, dass man für strudelteig kein olivenöl nimmt. weil: nix geschmack, sondern auch hauptsächlich einfach ungesättigte fettsäuren (mufas) und nur wenige pufas.

so weit die hypothese. am sonntag machte ich mich daran, sie empirisch abzusichern. also zwei teige unter den exakt identischen bedingungen hergestellt: selbes mehl (wieder glatt und aus dem selben packerl, wiewohl aus einem anderen packerl als am mittwoch), selbe mengen öl und salz, gleich lauwarmes wasser, gleiche behandlung (150 mal kneten, mit jeweils fünf mal schlagen nach 20, 80 und 150 mal kneten, sowie 20 mal schlagen nach 120 mal kneten [mir war am sonntag auch nach schlagen; im nachhinein blöd, ich weiß, weil das am mittwoch nicht gemacht worden war], je eine gute stunde rasten, wieder in frischhaltefolie, auf einem holzbrett, in der warmen küche. einziger unterschied: das öl war einmal wieder obiges rapsöl und das andere desodoriertes sonnenblumenöl. danach dann zwei mal ziehen. und siehe da: kein unterschied! nix ist gerissen, beide ziehungen waren gleich erfolgreich (bilder 2 [mit rapsöl] und 3 [sonnenblumenöl]).

was heißt das jetzt? schwer zu sagen: weil: 1. die mehle von mittwoch und sonntag waren aus unterschiedlichen packerln. 2. die knetbehandlung war leicht unterschiedlich (200 mal ohne schlagen am mittwoch versus 150 mal mit am sonntag) und 3. das ist mein lieblingsgrund: ich habe mir die öle genau angeschaut. haha! das rapsöl hat 64 gramm mufas und 39 gramm pufas, das sonnenblumenöl 86 gramm mufas und 6 gramm pufas (ich habe blöderweise ein high oleic sonnenblumenöl gekauft, weil ich mir gedacht hab, passt eh, das nehm ich dann für meinen echte-belgische-pommes-frittes-versuch.) quod NON erat demonstrandum! wir können auf jeden fall nicht schließen, dass pufa-reiche öle besser ziehbare strudelteige ergäben, weil bisher kein pufa-reiches öl zum einsatz kam. offensichtlich funktioniert’s aber mit mufa-reichen ölen auch recht gut. möglicherweise ist die art des fettes/öles sogar wurscht, wofür auch spräche, dass meine oma mitunter schmalz für den strudelteig verwendet, das reich an gesättigten fetten (safas) ist und damit noch weniger flexibel sein müsste. (k., könntest du der vollständigkeit halber bitte nachschauen, wie die fettsäurezusammensetzung deines sonnenblumenöls ist? danke!)

ich bevorzuge die so oft wissenschaftliche arbeiten beschließende conclusio: weitere versuche sind notwendig!

ah, eine erklärung bin ich noch schuldig: wieso hollywoodesk? weil, wie ich kürzlich irgendwo gelesen habe, europäische dramen immer traurig enden, hollywood-dramen hingegen mit happy end (bild 4).

schweinderl und lebensweisheiten


schön ist das, wenn ein tag damit anfängt, dass einem bei der frühstückslektüre das herz aufgeht! heute geschehen, grund ist wieder einmal brand eins. in der november-ausgabe (schwerpunkt: zweite chance) findet sich die reportage “der bauernführer” (seiten 164-171), in der dem gründer der bäuerlichen erzeugergemeinschaft schwäbisch hall und seinem werk(en) nachgegangen wird. im schnelldurchlauf: ausbildung zum agraringenieur, entwicklungshelfer in syrien und bangladesch, 1984 den elterlichen hof übernommen, unwohlsein, agrarmanager statt bauer sein zu sollen, einschlagen eines alternativen weges, 1988 gründung der bäuerlichen erzeugergemeinschaft schwäbisch hall mit sieben mitstreitern, weidehaltung von schwäbisch-hällischem landschwein (das sind die schwarz-weißen, wir kennen sie vom sonnenschwein, anm.!), suchen und finden von alternativen absatzmöglichkeiten zu anständigen preisen, wachstum, 2001 übernahme und adaptierung des sterbenden städtischen schlachthofs von schwäbisch hall, um nicht in die abhängigkeit der große schlachtkonzerne zu geraten, davor zähe bemühungen um finanzierung des vorhabens (die ein bissl ans weideschlachthaus und an heini staudinger erinnert, anm.).

besonders schön, insbesondere für mich in meiner derzeitigen lebenssituation, finde ich die weisheiten, die der bauernführer rudolf bühler so von sich gibt oder die über ihn gesagt werden. dass der zuchtverband ein erfolg wurde, sei sein verdienst gewesen, sagt ein gründungsmitglied über ihn, weil er auf die richtigen leute zurückgegriffen habe und “er hat mehr von der welt gesehen als wir”. oder der bürgermeister, der den stein der finanzierung des schlachthofs ins rollen brachte, obwohl bühler keinen ausgearbeiteten businessplan, aber eine überzeugende zukunftsvorstellung hatte. “der mensch und seine vision passten zusammen, das schuf vertrauen.” der zusammenfindung zuträglich war auch die gemeinsame erfahrung: der bürgermeister hatte einmal für eine stiftung in südamerika mit campesinos gearbeitet. und zum schluss herr bühler: “es ist ein glück, wenn man das tun kann, was man für richtig hält.”

kann haare schneiden wie essen sein?!


freude! ich habe endlich eine friseurin gefunden, wie sie für mich sein soll: schneidet mit einer herrlichen mischung aus routine und wurschtigkeit, redet das allernötigste, hat alles in einer halben stunde erledigt. inklusive waschen, föhnen darf ich selber. zahlen tu’ ich 19 euro, mit trinkgeld.
vorbei die zeiten der folter des stundenlangen herumsitzen-, reden- und mithören-müssens von gesprächen, die an belanglosigkeit kaum zu überbieten sind; des tam-tams über frisuren, haarlängen und -farben; des sich-rechtfertigens, weil man keine farbe will, keine frisur, die geföhnt werden muss, und, nein, auch keine pflege.

und als ich dann, bestens gelaunt ob meiner gelungenen ratz-fatz-frisur, die josefstädter straße entlang zur bim gehe, erwischt mich ein gedanke eiskalt: kann es sein, dass es menschen gibt, die das mit dem essen genauso sehen wie ich das mit dem haare schneiden?

tiere essen


so, jetzt habe ich es also endlich auch gelesen. das buch – zumindest aus meiner facebook-fenster-zur-westlichen-welt-sicht während mosambik –: tiere essen von jonathan safran foer.
ich gebe es zu, ich habe mir ein polemisches manifest gegen das fleisch-essen und alle fleisch-esserInnen erwartet, und schon vor dem lesen eine gewisse oppositionelle grundhaltung eingenommen. das hat sich gehörig geändert!

tiere essen ist ein großartiges buch! reflektiert, differenziert, undogmatisch, aber sehr leidenschaftlich, und sehr, sehr intelligent hat jonathan safran foer das thema aufbereitet. ich ziehe meinen hut und zolle meinen respekt! absolute leseempfehlung!!!

ich will nur einen kleinen auszug bringen, die textpassagen, die mich restlos überzeugt hat von der authentizität des autors: “Für mich stellt sich folgende Frage: Wenn es für meine Familie vollkommen unnötig ist, Tiere zu essen (aus gesundheitlichen gründen, das erläutert er weiter vorne, anm.) – im Gegensatz zu Menschen in anderen Gegenden der Welt kommen wir problemlos an eine reiche Auswahl anderer Nahrungsmittel –,sollten wir sie trotzdem essen? [...] Der Entschluss, keine Tiere mehr zu essen, ist für mich notwendig, aber er ist auch begrenzt und persönlich. Eine Entscheidung, die nur im Kontext meines Lebens und keines anderen fällt. [...] An welcher Stelle sollte ich respektvoll gegensätzliche Meinungen akzeptieren, und wo muss ich um grundlegender Werte willen unnachgiebig bleiben und andere auffordern, meine Haltung zu unterstützen? [...] Ich bestehe nicht darauf, dass es immer und für alle Menschen falsch ist, Fleisch zu essen, oder dass die Fleischproduktion – trotz ihres beklagenswerten Zustandes – nicht zu retten ist. Welche Haltung zum Essen von Tieren lässt sich mit menschlichem Anstand vereinbaren? Worauf würde ich bestehen?” (aus unterkapitel 6. im kapitel “scheibenweise paradies/haufenweise scheiße”, s. 223–230 in der ausgabe von kiepenheuer&witsch, 6. auflage 2010)

zwei aspekte fehlen mir in dem buch allerdings, da müssen wir, die gemeinschaft der tierrechtlerInnen und tierschützerInnen unter den esserInnen (zur differenzierung siehe unterkapitel 3. im kapitel “tun” des buches, s. 252ff), uns noch bemühen, lösungen zu finden.

1. jsf (jonathan safran foer) liefert beste entscheidungsgrundlagen, (industrielles) fleisch zu meiden. für ihn selbst ist die lösung der vegetarismus. er lässt aber die milch- und eiproblematik vollkommen links liegen. eine lösung für diese problem kann der veganismus sein, aber nicht meine und nicht die von vielen anderen menschen. deshalb braucht’s hier noch viel entscheidungshilfe. (nein, leider ist bio hier auch keine allgemein gültige lösung.)

2. jsfs zugang zum vegetarismus ist der des verzichts. das mag ich nicht! ich will nicht, dass wer leidet, menschen nicht und auch nicht tiere, aber sie alle leiden nicht weniger, wenn ich es tue. ich verzichte nicht auf fleisch, ich genieße die vegetarischen (und veganen) alternativen. und damit meine ich nicht fleischersatzprodukte, sondern zum beispiel diese hier
wir müssen fleischlos oder fleischarm essen, dazu gibt es (für mich) keine alternativen. aber ich will es so nicht stehen haben! konsumgrenzen sind nicht verzicht, sie sind der rahmen, innerhalb dessen sich der genuss entfalten kann.