alltag im migrationsbezirk


ich stehe im 46er, der sich die thaliastraße entlang eine schneise durch den 16. pflügt. der wagen ist bummvoll, hauptsächlich mit menschen, die selbst oder deren eltern zumindest nicht in österreich geboren wurden. ich wuzle mich zum fahrscheinzwicker durch, bitte einen herrn “tschuldigung, derf i do kurz her, bitte?”. es geht aber auch ohne worte. an anderer herr mit kapperl mit werbeaufschrift eines griechischen wirtshaus’ reicht wortlos und mit freundlichem gesicht seinen fahrschein weiter, er geht durch die hände eines jungen türken in jene des herrn neben mir, der ihn zwickt und wieder zurückreicht. dieses vorkommnis erfüllt mich jedes mal mit freude: ein akt gelebter achtsamkeit und hilfsbereitschaft. völlig unspektakulär, mitten im alltag. ich mag das sehr.
wir rumpeln voran. wovor sich andere fürchten, gefällt mir. “wennst im 16. mit der bim fahrst, hörst du kein einziges wort deutsch!” das ist jedes mal ein bisschen wie urlaub. außerdem stimmt’s nicht. kurz vorm brunnenmarkt schneidet ein gesudertes “wos isnn jetzt scho wieda?!” durch den bim-innenraum. das kam von einem echten österreicher.

da passt jetzt auch recht gut dazu, was freundin e. kürzlich erzählt hat. sie ist mit mann und baby vom 15. in den 23. gezogen, nähe alterlaa. vorbei die zeiten, da ihr menschen mit migrationshintergrund freundlich lächelnd den kinderwagen in die bim hoben. jetzt drängen sich echte österreicherInnen ohne gehbehinderung beim einzigen u-bahn-lift am kinderwagen vorbei und verstellen den platz im lift. kürzlich hatte sie eine kurze 15.-reminiszenz: der busfahrer im 64a fuhr so schnell an, dass der kinderwagen umgefallen wäre, wäre da nicht ein mann gestanden, der nicht nur migrationshintergrund, sondern auch einen großen bauch hatte. “bauch ist gut!” kommentierte er folgerichtig. und damit wären wir eigentlich auch schon wieder ein thema weiter, dass nämlich übergewicht nicht immer schlecht und es beim essen sowieso niemals nur schwarz und weiß gibt.