vinzi-kochen

vinzi-kochen


(speck-)linsen ist seit kindheitstagen eines meiner leibgerichte. mit leibgericht-kochen wiederum kann man respekt ausdrücken, finde ich. und außerdem eignen sich linsen gut für großmengen-kochungen. b. ergänzte aus ähnlichen gründen apple crumble.
und so war unser menü, das wir vorvergangenen samstag für die rund 60 gäste der vinzi-rast kochten, specklinsen mit und ohne speck (für das erfahrungsgemäße drittel an gästen muslimischer religionszugehörigkeit) mit serviettenknödel, und als nachspeise apple crumble mit vanilleeis (geplant) bzw. vanillesauce (tatsächlich, aus gründen der lebensmittelverschwendungsvermeidung).

die initiative ging von b. aus (an dieser stelle noch einmal ein herzliches dankeschön an dich!), unser vierköpfiges kochteam setzte sich letztlich aus drei ernährungswissenschafterinnen (das tut an und für sich nix zur sache, ist aber für die geschichte ganz gut) und einer ahs-werk-und-zeichen-lehrerin zusammen. vier damen mit großer liebe zum kochen und zu den menschen, keine davon auf den mund gefallen und alle humorbegabt. wir fanden, das waren gute startbedingungen.

um kurz vor 15 uhr begannen wir mit dem einkauf. die linsen (bio und österreichische – eine kombination, die selbst in bobo-haushalten nicht alltäglich ist!) und die zwiebel (übriggeblieben) hatte ich aus unserer foodcoop mitgenommen. den rest kauften wir also am samstag nachmittag am meidlinger markt und den angrenzenden geschäften. für 60 portionen brauchst ganz schöne mengen. sieben kilo linsen! dreieinhalb kilo semmelwürferl! 24 eier! 50 äpfel! und rühr’ einmal ein gmachtl aus zehn bechern rahm an! und dann noch die riesen-töpfe! herrlich! oder wie c. feststellte, als sie mich beobachtete, wie ich es nur unter großer anstrengung schaffte, mit dem riesenkochlöffel im riesenkochtopf die linsen umzurühren: “gö, dir taugt des?!”

das geplante vanilleeis als apple-crumble-beigabe verwarfen wir angesichts der zehn gerade ablaufenden soja-jogurts im vinzi-rast-kühlschrank. auch wenn unsere geschmacklichen vorbehalte dagegen groß waren (c., die nicht-ernährungswissenschafterin räumte ein, dass sie vielleicht zumindest gut für die prostata sein könnten), siegte doch die vernunft. zu vanillesauce sollten sie werden. auch das schlagobers, ebenfalls im kühlschrank, ebenfalls abgelaufen. und damit die angelegenheit “ja net zu mager wird” (b., ernährungswissenschafterin), ergänzten wir um griechisches 10%-jogurt und mascarpone.

für die gewährleistung der lebensmittelsicherheit opferte ich mich. ich kostete alles. die abgelaufene milch für die knödel, die oben genannten jogurts und das schlagobers, die auch nicht mehr ganz frischen wurzelgemüse. nicht-ernährungswissenschafterin c. war voll der bewunderung und des ekels. “i werd’ verruckt, die isst echt alles!” war ja alles noch gut!

glaubten wir uns anfangs gut in der zeit, überkam uns zwischendurch kurz die panik. e. verfluchte “de kloan dreck” (foodcoop-überbleibsel-zwiebel) ob der mühseligkeit, sie zu schälen und zu schneiden. und die serviettenknödel-pracker (knapp 20 cm durchmesser, ich schwöre!) waren nach einer dreiviertelstunde kochzeit noch immer nicht durch! wasser-kochen in riesentöpfen dauert auch tendenziell länger als im privathaushalt. ich kann’s aber jetzt schon vorwegnehmen: ist sich alles ausgegangen, die essensausgabe pünktlich zur gewohnten zeit um 18:30 uhr zu beginnen!

ja, um halb sieben tröpfelten die ersten gäste herein. bis 21 uhr sollten wir rund zwei drittel unserer ergebnisse ausgeben (selbstverständlich hatten wir zu viel gekocht!), und erklären, was wir denn da gekocht hätten. das unter ausgrabung und bündelung aller unserer sprachkenntnisse – englisch, französisch, portugiesisch, italienisch, wenig deutsch, viel hände und auch nase (c. ging aus pragmatischen gründen dazu über, die frage nach “mit oder ohne schweinespeck?” durch naserümpfen und grunzgeräusche zu ersetzen, und von müdigkeit gezeichnet antwortete sie gegen ende der essensausgabe auf die frage, ob es noch salat gebe, mit “only this, wos nu do is!”) die herren und die paar damen gäste erwiesen sich ebenfalls als humorbegabt, und wir hatten’s alle miteinander recht lustig.

geschmeckt dürfte es auch haben, zumindest den meisten. die erste ausgegebene portion landete zwar fast zur gänze im mistkübel. wir waren kurz entsetzt und konnten bei der gelegenheit ein dummes vorurteil auch gleich kübeln. selbstverständlich haben auch hilfsnehmerInnen das recht, das angebot schlecht zu finden! das positive feedback überwog aber eindeutig, besonders gefreut hat uns natürlich das “special good!”, mit dem einer der herren sein teller zurück in die küche brachte. und die tulpen, die uns ein anderer gast freudestrahlend überreichte.

apropos gast. die damen und herren, die in die vinzi-rast kommen, werden dort als “gäste” bezeichnet. überhaupt werden sie mit selbstverständlichem respekt behandelt, das hat mir sehr imponiert. ja, selbstverständlich läuft überhaupt sehr viel ab in der vinzi-rast. viele gäste sind stammgäste, sie kommen, nehmen sich selbstverständlich trinkgläser und besteck, bedanken sich selbstverständlich, bringen selbstverständlich ihr geschirr zurück in die küche zum waschen. gleichzeitig ist es auch selbstverständlich, dass es keine sozialromantik gibt. wir wurden explizit darauf hingewiesen, unsere taschen nicht im aufenthaltsraum liegen zu lassen. eine selbstverständlichkeit, die mir aus mosambik geläufig ist: nur, weil man es mit jemandem gut meint, heißt das noch lange nicht, dass er/sie das vertrauen nicht enttäuschen wird. keine wertung, eine erfahrung.

als wir uns um halb zehn verabschieden, fordert einer der gäste, dass er uns in zukunft öfter hier sehen will. die damen vom vinzi-büro scheinen seine meinung zu teilen. “ihr hattet ein sehr gutes feedback … die juicy crew.” wer wir eigentlich seien, wie wir auf das kochen in der vinzi-rast gekommen seien und wie wir uns nennen (scheinbar haben die kochgruppen hier namen). naja, jetzt haben wir ja offenbar auch einen …

schön war’s, sehr schön! aber eigentlich war’s aufg’legt: wenn man gerne kocht und menschen gerne gutes tut, ist vinzi-kochen eine logische konsequenz. wir sehen uns wieder, meine damen und herren!