wissenschaftsliebe

wissenschaftsliebe


leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere pläne zu schmieden, sagte angeblich john lennon. das ist in meinem leben eigentlich eh dauerzustand, in den letzten monaten halt noch verschärft.

2020 wird also ganz anders. und ich ertappe mich mitten in der corona-krise immer wieder in einem zustand der freude. heute ist mir das licht aufgegangen, warum das so ist. es liegt an meiner neugierde, an meiner wissenschaftsliebe, an meinem unstillbaren wissensdurst.

schon lange nicht mehr habe ich ein feld betreten, das gleichzeitig mir, aber auch einschlägigen expertInnen so neu war. ich kann forschung sozusagen fast in echtzeit miterleben, und das finde ich wahnsinnig aufregend!

seit ende februar ziehe ich mir die wissenschaftlichen neuigkeiten hinein. warum “flatten the curve”, “the hammer and the dance”, das ndr-corona-update mit christian drosten, perspectives on the pandemic mit john ioannidis, mit zunehmender pandemie-dauer auch die sich mehrenden kritischen stimmen wie jene von martin sprenger (z.b. hier, hier oder hier). und, weil mich aus gegebenem anlass die rolle der kinder in der corona-krise besonders beschäftigt, die beiträge des von mir schon seit jahren immer wieder virtuell zu rate gezogenen kinderarztes und wissenschaftler herbert renz-polster.

was ich dabei bemerkt habe:

  1. niemals hat mich panik ergriffen, angst hatte ich selten. einmal mehr in meinem leben ist für mich viel wissen die bessere strategie.
  2. ich brauche extra viel ambiguitätstoleranz, die ist für mich überhaupt zur kardinaltugend während corona geworden. ganz am anfang, als die pandemie in österreich angekommen war, war ich mir noch recht sicher, was das richtige zu tun wäre. mit der zeit warf das mehr an wissen aber auch immer mehr fragen auf. wer hat recht? wer unrecht? irgendwann war ich bei der überzeugung angelangt, dass viele berechtigte und auch richtige meinungen nebeneinander stehen dürfen und müssen. entweder, weil die wissenschaft das eindeutige richtig oder falsch noch nicht erforscht hat, oder weil sie aus unterschiedlichen disziplinen stammen, die unterschiedliche messgrößen für richtig oder falsch anwenden. das auszuhalten, fällt mir nicht leicht, halte ich aber für alternativlos.
  3. die wissenschaftlerInnen, die meine hauptinformationsquellen sind, bekriegen sich nicht, auch dann nicht, wenn sie nicht einer meinung sind. das tun nur die leute, die sie (richtig oder falsch) zitieren (benutzen?). ich staune jeden tag, was und vor allem wie in sozialen medien gefetzt wird! die von mir geschätzten wissenschaftlerInnen pflegen einen stil, der von gegenseitigem respekt für kollegInnen getragen ist, und von dem glauben, dass, zitat john ioannidis: “[...] science is the best thing that we have as humans to guide us” (hier ab ca. 54:00).

so möge uns also die wissenschaft durch diese krise leiten. oder jedenfalls die basis dafür liefern. und mir dabei freude am lernen bescheren.

[photocredits: screenshot aus dem youtube-video mit john ioannidis]

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