nachhaltige ernährung, was ist das?

nachhaltige ernährung, was ist das?


nachhaltige ernährung” steht auf meiner neuen visitenkarte des fibl, meines teilzeitarbeitgebers und träger des projektes schule des essens, an dem derzeit mein berufliches herz hängt. sie beschäftigt mich ja schon seit längerem, seit gut zwei jahren habe ich mich ihr gänzlich verschrieben – die erfahrungen aus zwei jahren mosambik waren daran maßgeblich beteiligt. und derzeit gibt’s einiges an medienpräsenz (z.b. kurier, salzburger nachrichten, handelsblatt und netdoktor) als resonanz eines presseworkshop, den ich kürzlich für meinen berufsverband veö bestritten habe.

viel ist also in meinem leben davon die rede, deshalb auch an dieser stelle eine definition der nachhaltigen ernährung in fünf schritten:

1. nachhaltige ernährung ist kein romantisches vorhaben von realitätsfremden weltverbesserern, sondern eine wissenschaftliche disziplin. sie wurde im deutschsprachigen raum in den 1980er-jahren aus der taufe gehoben von einem studentischen arbeitskreis rund um professor claus leitzmann an der universität gießen (beide, der professor wie die uni sind in einschlägigen kreisen bestens bekannt). die uni gießen hält derzeit auch die einzige professur dafür im deutschsprachigen raum. auch karl von koerber, thomas männle, jürgen kretschmer und in jüngerer zeit ingrid hoffmann, katja schneider und eva hummel prägten und prägen die ernährungsökologie maßgeblich durch forschung, entwicklung und lehre.

2. im wissenschaftssprech wird die disziplin “ernährungsökologie” genannt, wobei ökologie in diesem zusammenhang nicht (nur) was mit umwelt zu tun hat, sondern die “lehre von den zusammenhängen” bedeutet. ich verwende lieber “nachhaltige ernährung”, weil sich der begriff besser selbst erklärt.

3. lehre von den zusammenhängen. ja, derer gibt es in der nachhaltigen ernährunge wahrlich viele! denn sie konzentriert sich nicht wie die “herkömmliche” ernährungswissenschaft auf die gesundheitlichen aspekte des essens, sondern bezieht die dimensionen ökologie, wirtschaft und gesellschaft gleichwertig ein. und das auf allen ebenen, von der landwirtschaftlichen produktion über die verarbeitung, transport, handel, konsum bis zur entsorgung. darüber hinaus ist sie eine disziplinenübergreifende wissenschaft (agrarwissenschaften, soziologie, wirtschaftswissenschaften, gesundheitswissenschaften etc.).
ein beispiel, das die komplexität illustriert: fisch. fetter meeresfisch gilt wegen seines omega-3-fettsäuregehalts als gesund. ökologisch betrachtet sind viele fischbestände ausgebeutet. wirtschaftlich gesehen kämpfen viele kleine fischer neben der industriellen fischerei um ihre existenz, ähnliches gilt für die verarbeitung, z.b. zu konserven. das hat, stichwort gesellschaft, auswirkungen: matosinhos, einst ein prosperierender, lebendiger vorort der portugiesischen stadt porto (und immer noch heimat der nuri-sardinen-fabrik), wirkt heute heruntergekommen und verlassen, die arbeitslosigkeit ist hoch. (eine detaillierte beschreibung des sardinendilemmas, das sich mir im letzten urlaub auftat, steht hier.)

4. nachhaltigkeit in der ernährung ist messbar, und zwar zum beispiel anhand der safa-kriterien der fao, der ernährungs- und landwirstschaftsorganisation der uno. safa steht für sustainability assessment of food and agriculture systems. da wird anhand einer vielzahl von indikatoren die ökologische, wirtschaftliche und soziale nachhaltigkeit von betrieben erhoben. das ergebnis sind spinnendiagramme wie im bild unten, anhand derer die nachhaltigkeitsanalyse auf einen blick möglich ist. wer das z.b. macht, sind meine SMARTen kollegInnen am fibl!

5. und wie setze ich die nachhaltige ernährung in die praxis um? anhand von sieben grundsätzen (nach karl von koerber), die, einmal verinnerlicht, das einkaufen erleichtern (weil sie die auswahl angenehm einschränken) und den genuss erhöhen (weil bewusster essen besser schmeckt).
a) mehr von der pflanze, weniger vom tier
b) bio-lebensmittel
c) regional und saisonal
d) gering verarbeitet, frisch
e) umweltverträglich verpackt und transportiert
f) fair gehandelt
g) genussvoll
warum nachhaltige ernährung weder kompliziert, teuer noch genussfeindlich ist, sowie noch mehr tipps und aha-erlebnisse gibt’s in der veö-presseaussendung.

literatur: hoffmann i, schneider k, leitzmann c. ernährungsökologie – komplexen herausforderungen integrativ begegnen. oekom, 2011

safa_blog
bildnachweis (auch beitragsbild): fao. safa guidelines, 2013, s. 69

 

cornélia, querida, foi tão bom te rever!

cornélia, querida, foi tão bom te rever!


ich habe in portugal cornélia wiedergesehen! sie war meine kollegin auf der uni in mosambik, und auch diejenige, die meine ernährungsvorlesung übernommen hat. cornélia ist super! hochintelligent, ehrgeizig, reflektiert, modern … und unglaublich herzlich. derzeit macht sie in viana do castelo ein masterstudium. wir haben stundenlang geplaudert. ein bisschen geht es ihr jetzt wie mir in mosambik, nur umgekehrt: sie muss(te) sich an die europäischen/portugiesischen gepflogenheiten gewöhnen: dass einen autos nicht am zebrastreifen niedermähen, sondern tatsächlich stehenbleiben! dass nicht alle wände mit mobilfunkwerbung zugemalt sind. dass die portugiesischen studienkollegInnen direkt kommunizieren und “kannst du mir fünf euro borgen?” sagen, wenn sie sich fünf euro ausborgen wollen, und nicht “ahh … es ist gerade gaaaaanz schwierig … ich würde gerne xy kaufen, aber ich habe gerade gar kein geld …” das waren für mich ganz besondere gespräche, weil cornélia jetzt einsicht in meinen kulturkreis hat und damit meine agieren damals in mosambik besser einordnen kann. und außerdem sind wir beide reflektiert und haben genug humor, um offen über unsere wechselseitigen interkulturellen schwierigkeiten reden und herzlich lachen zu können.

außerdem war es schön, von ihr zu hören, wie sie voranschreitet. sie hat schon so viel dazugelernt, ist so ehrgeizig bei der sache, nutzt alle chancen, expertise zu bekommen. und sie redet schon vom phd! mich freut das wahnsinnig! vor allem, weil sie eine frau ist und ihr lebensweg in ihrem herkunftsland noch viel weniger selbstverständlich ist als in meinem.

und was mich auch sehr gefreut hat, waren die neuigkeiten, die sie von “meinem” studiengang (lebensmitteltechnologie) berichtet hat: nachdem ich vorigen februar heimgefahren bin, wurde letztendlich das labor tatsächlich eingerichtet! das labor, das durch eine kooperation mit einer spanischen uni finanziert wurde. und die kooperation hatte ich eingefädelt.
und das interessanteste: es gibt jetzt einen neuen studiengangsleiter. aber nicht irgendeinen! ich hatte mir, kurz bevor ich wieder zurückkam, erlaubt, einen personellen vorschlag zu machen, der gar nicht gut aufgenommen wurde. (wer mich schon länger kennt, kennt auch die geschichte. sie war nicht schön …) und jetzt erzählt mir cornélia, dass genau der von mir damals genannte kollege zum neuen studiengangsleiter gemacht wurde!
das macht mich jetzt schon froh und auch ein bisschen stolz …

querida, espero que nós revejamos logo!

cornelia1 cornelia0

ein tag versus 90


mosiland beschäftigt mich auch ganz direkt weiterhin: wer kann sich noch erinnern an meinen kampf, dass die in österreich ohne jegliche schwierigkeiten bestellten und freundlicherweise ordentlich rabattierten zehn mikroskope mittels internationaler überweisung bezahlt würden?

90 TAGE hat’s letztlich gedauert, oder sogar ein bissl länger.

und jetzt kriege ich soeben von ernestina, einer meiner beiden von mir und durch freundliche mithilfe aus dem familien- und freundeskreis unterstützten studentinnen, die nachricht, dass man sie und bersónia jeweils 1.500 meticais (40 euro) strafe zahlen ließ, weil die von mir überwiesenen studiengebühren (jeweils 20.200, rund 550 euro fürs semester) EINEN tag nach ablauf der zahlungsfrist auf dem konto der uni eingelangt sind.

“man” sind in diesem fall dieselben herrschaften, die es von juli bis september 2012, gemeinsam mit ihrer bank, 90 tage lang nicht schafften, eine internationale überweisung durchzuführen.

wenn ich jetzt noch dort wäre, dann, dann …!

bucket-shower


ha! wir duschen wieder mit kübeln! ganz wie in mosi-zeiten.

weil: als klaus beim zähneputzen heute früh um 2:45 uhr mit dem davor stehenden sessel an dem mit einem wasserhahn verschlossenen ungenutzen waschmaschinenanschluss ankam, brach der hahn ab und das wasser spritzte waagrecht aus der wand in die küche und ins vorzimmer.
ich war gerade am klo und hörte klaus panisch schreien. meine erste handlung: ich verriegelte die tür von innen. der erste gedanke war nämlich: ein überfall! (wann hört die paranoia eigentlich endlich wieder auf?!)
ich konnte dann allerdings das wort “wasserhahn” in klaus’ geschrei ausnehmen und drehte den am klo befindlichen haupthahn ab. bad und vorzimmer waren indes zum see geworden.

da wir heute sonntag haben, bleibt der haupthahn geschlossen. ist aber alles gar nicht sooo schlimm: das klo hängt an der gemeinschaftlichen hauswasserleitung, ebenso die bassena am gang, die uns nun unsere kübel befüllt. viel praktischer eigentlich als in mosambik, da mussten wir bei pumpennichtfunktion mühsam schöpfen.

ahso, ja, die waschmaschine ist wahrscheinlich auch hin. gutes timing. wir haben vier urlaubs- und vorurlaubsbedingte wäscheberge …