biophotonen und lebensmittelunverträglichkeiten


seit langem laboriere ich an lebensmittelunverträglichkeiten. zum glück nur gedanklich. jetzt gerade habe ich mir das aktuelle profil gekauft. “gesundes, das krank macht. bis zu 40 prozent der österreicher vertragen früchte, milchprodukte und getreide nicht mehr. stimmt das? und wenn ja, warum?” ist sogar titelgeschichte. (die geschichte an sich ist für mich enttäuschend, nix neues ist darin zu lesen, und vor allem das große thema “unerklärbare unverträglichkeiten” wird nicht einmal angerissen.)

als “unerklärbare unverträglichkeiten” bezeichne ich jene unverträglichkeitsreaktionen, die keine sind, wo wir die ursache kennen (laktose-, fruktose-, histaminintoleranz, zöliakie), und natürlich auch keine echten allergien oder kreuzreaktionen. kaum jemand innerhalb der schulmedizin/-ernährungswissenschaft beschäftigt sich damit, und ich gebe zu, das galt bis vor kurzem auch für mich.

dann wurde ich von den ereignissen überrollt und konnte nicht mehr anders, als mich der thematik zuzuwenden: zuerst kam, vor ein paar wochen, mein bruder daher. er wollte sich austesten lassen, ohne mich vorher um meine meinung zur seriosität der methode zu befragen. “schwindlig!” hätte ich damals wie aus der pistole geschossen gesagt. vermutlich hat er deshalb nicht gefragt. mir wohnt ja eine gehörige portion skepsis – hart an der grenze zum skeptizismus – inne. nix glaube ich, was ich nicht verstehe und/oder mit methoden überprüfbar ist, die ich verstehe. dazu bin ich noch infiziert von meinem herzallerliebsten, einem ehemaligen esoteriker und jetzt nichtraucher-esoteriker, geisteshaltungsmäßig. 

nun bin ich aber auch nicht dogmatisch und neugierig sowieso. deshalb war meine erste reaktion nicht “schwindlig!”, als mir ein sympathischer, verständiger, nach meiner einschätzung seriöser bio-auskenner anfang oktober von seiner forschungsleidenschaft erzählte: alternative messmethoden der qualität von lebensmitteln. klar bin ich skeptisch, das habe ich ihm auch gleich ins gesicht gesagt. aber anschauen will ich mir seine forschungen schon. an einem wochenende gegen ende oktober lag ich seite 50 des 13/12er-falters (es geht um persisches wüstensalz) lesend auf der couch. (warum ich dabei rotierte, könnt ihr hier nachlesen.) und stolperte dabei über die biophotonenmessung eines gewissen herrn fritz-albert popp. später an diesem wochenende treffe ich freundInnen, die mich fragen, was ich von der bioenergetischen blutdiagnose halte, mit deren hilfe ein arzt gerade dabei ist, ihre  lebensmittelunverträglichkeiten auszutesten. innerlich rotiere ich wieder, äußerlich sage ich wahrheitsgemäß: ich kann’s nicht beurteilen, weil ich mich damit noch nicht beschäftigt habe.

aber jetzt will ich’s wissen!

ich klemme mich also hinter den computer. als erstes versuche ich, herauszufinden, ob es stellungnahmen zur alternativmedizinischen diagnostik von nahrungsmittelunverträglichkeiten von deutschen und österreichischen allergologenverbänden gibt. fehlanzeige! das aktuellste, auf das ich stoße, ist eine gemeinsame stellungnahme aus 2009, dass die messung von igg-antikörpern nicht empfohlen wird. (zur erklärung: bei einer echten allergie, die immer von eiweißkörpern verursacht wird, treten antikörper der klasse ige auf den plan. diese können leicht gemessen werden, deshalb kann eine echte allergie auch leicht diagnostiziert werden. igg-antikörper kommen dagegen bei “normalen” erkrankungen zum einsatz. es gab und gibt noch immer tests, die über die messung der igg-antikörper auch unverträglichkeiten diagnostizieren wollen. das halten die allergologen für unwissenchaftlich und unseriös.) damit beschäftige ich mich jetzt aber nicht weiter, denn ich will ja herausfinden, was es mit der bioenergetischen blutdiagnose auf sich hat. dazu gibt es keinerlei offizielle stellungnahme. schaut man sich die arbeiten der verbände, auch des europäischen, an, könnte man überhaupt meinen, es gäbe außer echten allergien eh keine schwierigkeiten mit unverträglichen lebensmitteln.

und da verstehe ich die konsumentInnen jetzt schon. du glaubst, ein lebensmittel nicht zu vertragen, also gehst du zum arzt. der kennt die offiziellen informationen, testet dich also auf echte allergien. hast du nicht. dann kann man noch relativ leicht laktose-, fruktose- und histaminintoleranz diagnostizieren, das hast du auch nicht. zöliakie (glutenunverträglichkeit)? machen wir eine biopsie der darmzotten! auch nicht. und jetzt ist sense bei den schulmedizinerInnen. bei mir übrigens auch. ab jetzt kann man noch spekulieren: individuelle unverträglichkeit? lässt sich mit konsequentem weglassen des verdachtlebensmittel, einer so genannten auslassdiät, eventuell herausfinden: lässt man es weg und es geht einem besser, dann war’s wohl das. häufig scheint auch der grundsatz zu gelten: was wir nicht diagnostizieren können, dessen existenz verleugnen wir. was tust du also als leidgeplagte/-r konsumentIn: du suchst weiter nach antworten! vollkommen verständlich!

ich habe mich bisher auch noch nicht mit der frage beschäftigt, ob unverträglichkeiten nun in ihrer häufigkeit zunehmen, oder ob die leute, auch aufgrund der medialen ausschlachtung des themas, hypochondrischer werden. wahrscheinlich beides. dass unverträglichkeiten in ihrer häufigkeit zunehmen, erscheint mir plausibel. mitte des 19. jahrhunderts wurden mit justus von liebigs fleischextrakt und der margarine die ersten “künstlichen” lebensmittel erfunden. bis dahin aß die menschheit im wesentlichen mehr oder weniger viel fleisch, körndln, gemüse, obst, erdäpfel, milch(produkte), hülsenfrüchte, fisch. jahrtausende hinweg also mehr oder weniger das gleiche, verarbeitet maximal thermisch (kochen, braten, backen) und/oder mechanisch (mahlen, sieben, …). was wir uns seit gut hundert jahren alles einfüllen, ist dem körper oftmals vollkommen neu: süßstoffe, aromen, farbstoffe und wie sie alle heißen. oder bis zur unkenntlichkeit verarbeitetes. mir erscheint es daher, auf der basis meines wissenschaftlichen hintergrundes, nicht abwegig, dass der körper nicht mit allem von dem vielen neuen so mir nix dir nix umgehen kann und die eine oder andere unverträglichkeit entwickelt.

pfuh, da habe ich jetzt in ein wespennest gestochen! denn je mehr ich mich ins thema eingrabe, desto dringlicher erscheint es mir auch, das zu tun. es gibt immer mehr fragende konsumentInnen und kaum seriöse antworten. und, das streue ich mir jetzt einmal selbst rosen, ich glaube, es gibt auch nicht viele, die so ticken wie ich: für mich muss alles, hinter dem ich stehen kann, wissenschaftlich erklärbar und plausibel sein. gleichzeitig will ich aber nicht dogmatisch ablehnen, was (noch) nicht erklärbar ist. ich will so lange suchen, bis ich das nicht-erklärbare erklären kann – oder es als unwissenschaflich ablehnen muss. das ist der fluch meines forscherdrangs. brotlos und immens zeitraubend. aber solange ich es mir leisten kann, bleibt das so!

so, jetzt schaue ich aber endlich einmal, was das sein soll, die bioenergetische blutdiagnose. und finde: wieder biophotonen! mit quantenmechanik lässt sich ja wunderbar argumentieren, weil sie nämlich niemand versteht. ich versuche, das dennoch zu tun. das ist mein resümee: biophotonen sind photonen. photonen wiederum sind lichtteilchen (licht hat ja teilchen- und wellencharakter gleichzeitig.) biophotonen sind biologischer herkunft und haben eine ganz, ganz geringe intensität. ich zitiere den spiegel “ein schwaches Leuchten in lebenden Zellen. [...], entsprechend dem Schein einer Kerze aus zwanzig Kilometern Entfernung.” der oben schon erwähnte deutsche physiker fritz-albert popp forscht auf diesem gebiet, er tut das übrigens in einem privatinstitut. die existenz der biophotonen gilt als gesichert, die fachwelt ist aber, euphemistisch, gespalten ob popps erkenntnisse.
er sagt, stark vereinfacht ausgedrückt, dass lebende zellen länger leuchten als tote, frisches material länger leuchtet als älteres. er sagt weiters, dass dieses licht kohärent ist, das heißt, wieder sehr vereinfacht, gleichgeschaltet. das habe die funktion, ordnung in der zelle zu schaffen. wieder der spiegel: “Diesen Gedanken hat Popp weiterentwickelt. Sonnenlicht ist eine elementare Nahrungsquelle der meisten Lebewesen. Aus ihm beziehen auch wir Menschen auf zellulärer Ebene Energie und ordnende Signale.”
jetzt wikipedia (ich weiß, dass das für wissenschaftliche arbeiten nicht zitierfähig ist, das hier ist aber keine wissenschaftliche arbeit, und für den einstieg ins thema reicht’s!): “Die Ansicht der Vertreter der Theorie, dass diesem Phänomen eine physiologische Bedeutung zukommt, hat bei Biologen und Physiologen bisher kaum Zustimmung gefunden, wohl aber in der Esoterik und in Teilen der Alternativmedizin.” sogar der betreiber der oben genannten diagnostik-seite gibt zu bedenken: “Diese hinweisdiagnostische Biophotonen-Blutanalyse ist wissenschaftlich umstritten [...]. Die Methode ist wissenschaftlich noch nicht evaluiert. Insofern haben die erlangten Ergebnisse lediglich hinweisenden Charakter.” und wieder wikipedia: “Physikalisch kann die Strahlung mittels hochempfindlicher Photonendetektoren nachgewiesen werden. Da diese Messung jeweils nur die abgestrahlten Photonen erfassen kann, ist der Rückschluss auf die in den Zellen herrschenden Strahlungsverhältnisse nicht direkt möglich. Kritiker dieser Theorie weisen darauf hin, dass insbesondere die postulierte Kohärenz der Photonen nicht nachweisbar sei.”

in der zwischenzeit war ich auch beim alternativen qualitätsforscher. der misst zwar keine biophotonen, sondern elektromagnetische strahlung, und bei meinem besuch hat er nicht lebensmittel vermessen, sondern mich. das ist die ursprüngliche anwendung der methode: die elektromagnetische abstrahlung der zehn finger des menschen zu vermessen, um über die meridiane rückschlüsse auf das befinden einzelner organsysteme zu erhalten. lebensmittel damit auszutesten, ist eine anwendung, die später dazukam.
die messungen an mir dienten also dazu, mir die methode näher zu erläutern sowie meine skepsis zu beseitigen. gelungen ist nur ersteres: die methode ist spannend und, soweit ich das beurteilen kann, kein humbug, ich bleibe also interessiert. aber auch weiterhin skeptisch, denn die ergebnisse stimmten nicht mit meiner subjektiven befindlichkeit überein.
die biophotonenmessung in der lebensmittelqualitätsforschung ist mir übrigens in letzter zeit immer öfter untergekommen, auch in seriösem zusammenhang. dafür habe ich auf mein mail an einen mediziner, der mittels biophotonen-blutdiagnostik nahrungsmittelintoleranzen diagnostiziert, mit der bitte um wissenschaftliche hintergrundinformationen zur methode keine antwort erhalten. das allein ist für mich ein indiz fehlender seriosität.

so, jetzt komme ich also endlich zu meinem einstweiligen resümee und einer antwort für die vielen lieben fragenden menschen: für mich ist, auf der basis meines wissenschaftlichen verständnisses, die biophotonen-sache höchst spannend und auf keinen fall vollkommener humbug. wir werden uns in der lebensmittelqualitätsanalyse daran gewöhnen müssen, dass es mehr zu messen gibt als nährstoffgehalt, antioxidatives potenzial und sekundäre pflanzeninhaltsstoffe. die vorhandenen erkenntnisse allerdings auf die blutdiagnose umzulegen und insbesondere damit nahrungsmittelunverträglichkeiten zu diagnostizieren, halte ich zum gegebenen zeitpunkt nicht für seriös.

ich bleibe aber dran und werde die entwicklungen weiter verfolgen. sollte jemand sachdienliche hinweise für mich haben (wissenschaftliche!!!), bitte her damit!

einstweilen bleibt meine empfehlung für alle menschen mit (vermeintlichen) unverträglichkeiten – wie für alle anderen auch: gut essen, das heißt für mich bio, regional, saisonal, möglichst wenig verarbeitet, frisch, möglichst ohne zusatzstoffe und möglichst selbst gekocht.

alltag im migrationsbezirk


ich stehe im 46er, der sich die thaliastraße entlang eine schneise durch den 16. pflügt. der wagen ist bummvoll, hauptsächlich mit menschen, die selbst oder deren eltern zumindest nicht in österreich geboren wurden. ich wuzle mich zum fahrscheinzwicker durch, bitte einen herrn “tschuldigung, derf i do kurz her, bitte?”. es geht aber auch ohne worte. an anderer herr mit kapperl mit werbeaufschrift eines griechischen wirtshaus’ reicht wortlos und mit freundlichem gesicht seinen fahrschein weiter, er geht durch die hände eines jungen türken in jene des herrn neben mir, der ihn zwickt und wieder zurückreicht. dieses vorkommnis erfüllt mich jedes mal mit freude: ein akt gelebter achtsamkeit und hilfsbereitschaft. völlig unspektakulär, mitten im alltag. ich mag das sehr.
wir rumpeln voran. wovor sich andere fürchten, gefällt mir. “wennst im 16. mit der bim fahrst, hörst du kein einziges wort deutsch!” das ist jedes mal ein bisschen wie urlaub. außerdem stimmt’s nicht. kurz vorm brunnenmarkt schneidet ein gesudertes “wos isnn jetzt scho wieda?!” durch den bim-innenraum. das kam von einem echten österreicher.

da passt jetzt auch recht gut dazu, was freundin e. kürzlich erzählt hat. sie ist mit mann und baby vom 15. in den 23. gezogen, nähe alterlaa. vorbei die zeiten, da ihr menschen mit migrationshintergrund freundlich lächelnd den kinderwagen in die bim hoben. jetzt drängen sich echte österreicherInnen ohne gehbehinderung beim einzigen u-bahn-lift am kinderwagen vorbei und verstellen den platz im lift. kürzlich hatte sie eine kurze 15.-reminiszenz: der busfahrer im 64a fuhr so schnell an, dass der kinderwagen umgefallen wäre, wäre da nicht ein mann gestanden, der nicht nur migrationshintergrund, sondern auch einen großen bauch hatte. “bauch ist gut!” kommentierte er folgerichtig. und damit wären wir eigentlich auch schon wieder ein thema weiter, dass nämlich übergewicht nicht immer schlecht und es beim essen sowieso niemals nur schwarz und weiß gibt.  

überqualifiziert


ich wundere mich gerade. habe ein projekt in der pipeline, in dem ich mit kindern/jugendlichen zum thema lebensmittelqualität arbeiten möchte. praktisch und ganzheitlich. aus dem telefonat mit jemandem ebenfalls mit akademischen doktorwürden ausgezeichneten von einer potentiellen förderstelle geht mir ein kommentar nicht mehr aus dem kopf: “für das, was sie da vorhaben, sind sie ja total überqualifiziert.”
ist das, frage ich mich jetzt, eine repräsentative meinung? werde ich als akademische expertin von anderen akademischen expertInnen nicht für voll genommen, wenn ich mich mit jungen endkonsumentInnen an das vielleicht wichtigste thema im bereich ernährung herantaste? wieso wird es scheinbar als herablassung empfunden, den schreibtisch zu verlassen, um zu den menschen und zu den lebensmitteln hinauszugehen und die beiden miteinander zu verbinden, in einer art und weise, wie’s vom schreibtisch aus niemals möglich wäre?
ich mag das arbeiten am schreibtisch. ich mag forschen und wissenschaftlern. und g’scheit schreiben und reden. ich mag aber auch menschen und ich mag lebensmittel. und ich liebe die praxis. und überhaupt liebe ich die vielfalt beim arbeiten. und am überhauptesten tu ich eh, was ich will!

adipöse kraken-krampusse


krampusse

meine ersten selbstgemachten germkrampusse. habe ich gemacht, weil ich mir so leid getan habe, weil ich vom (ni)k(o)laus kein fuzi schokolade in die schuhe gelegt gekriegt habe. und das, obwohl ich krank bin und meine bravheit seit dienstag täglich artikuliert habe.
zurück zu meinen krampussen. schauen eher aus wie adipöse kraken, haha! auf jeden fall nicht ganz so wie die, die mich inspiriert hatte(n).
wie sie schmecken? weiß ich noch nicht, hab’ sie gerade erst aus dem rohr geholt …