tiere essen


so, jetzt habe ich es also endlich auch gelesen. das buch – zumindest aus meiner facebook-fenster-zur-westlichen-welt-sicht während mosambik –: tiere essen von jonathan safran foer.
ich gebe es zu, ich habe mir ein polemisches manifest gegen das fleisch-essen und alle fleisch-esserInnen erwartet, und schon vor dem lesen eine gewisse oppositionelle grundhaltung eingenommen. das hat sich gehörig geändert!

tiere essen ist ein großartiges buch! reflektiert, differenziert, undogmatisch, aber sehr leidenschaftlich, und sehr, sehr intelligent hat jonathan safran foer das thema aufbereitet. ich ziehe meinen hut und zolle meinen respekt! absolute leseempfehlung!!!

ich will nur einen kleinen auszug bringen, die textpassagen, die mich restlos überzeugt hat von der authentizität des autors: “Für mich stellt sich folgende Frage: Wenn es für meine Familie vollkommen unnötig ist, Tiere zu essen (aus gesundheitlichen gründen, das erläutert er weiter vorne, anm.) – im Gegensatz zu Menschen in anderen Gegenden der Welt kommen wir problemlos an eine reiche Auswahl anderer Nahrungsmittel –,sollten wir sie trotzdem essen? [...] Der Entschluss, keine Tiere mehr zu essen, ist für mich notwendig, aber er ist auch begrenzt und persönlich. Eine Entscheidung, die nur im Kontext meines Lebens und keines anderen fällt. [...] An welcher Stelle sollte ich respektvoll gegensätzliche Meinungen akzeptieren, und wo muss ich um grundlegender Werte willen unnachgiebig bleiben und andere auffordern, meine Haltung zu unterstützen? [...] Ich bestehe nicht darauf, dass es immer und für alle Menschen falsch ist, Fleisch zu essen, oder dass die Fleischproduktion – trotz ihres beklagenswerten Zustandes – nicht zu retten ist. Welche Haltung zum Essen von Tieren lässt sich mit menschlichem Anstand vereinbaren? Worauf würde ich bestehen?” (aus unterkapitel 6. im kapitel “scheibenweise paradies/haufenweise scheiße”, s. 223–230 in der ausgabe von kiepenheuer&witsch, 6. auflage 2010)

zwei aspekte fehlen mir in dem buch allerdings, da müssen wir, die gemeinschaft der tierrechtlerInnen und tierschützerInnen unter den esserInnen (zur differenzierung siehe unterkapitel 3. im kapitel “tun” des buches, s. 252ff), uns noch bemühen, lösungen zu finden.

1. jsf (jonathan safran foer) liefert beste entscheidungsgrundlagen, (industrielles) fleisch zu meiden. für ihn selbst ist die lösung der vegetarismus. er lässt aber die milch- und eiproblematik vollkommen links liegen. eine lösung für diese problem kann der veganismus sein, aber nicht meine und nicht die von vielen anderen menschen. deshalb braucht’s hier noch viel entscheidungshilfe. (nein, leider ist bio hier auch keine allgemein gültige lösung.)

2. jsfs zugang zum vegetarismus ist der des verzichts. das mag ich nicht! ich will nicht, dass wer leidet, menschen nicht und auch nicht tiere, aber sie alle leiden nicht weniger, wenn ich es tue. ich verzichte nicht auf fleisch, ich genieße die vegetarischen (und veganen) alternativen. und damit meine ich nicht fleischersatzprodukte, sondern zum beispiel diese hier
wir müssen fleischlos oder fleischarm essen, dazu gibt es (für mich) keine alternativen. aber ich will es so nicht stehen haben! konsumgrenzen sind nicht verzicht, sie sind der rahmen, innerhalb dessen sich der genuss entfalten kann.