unlecker und vollkornfrei (= weiß, daher das originelle bild!)

unlecker und vollkornfrei (= weiß, daher das originelle bild!)


ich kriege alle zustände, wenn ich das wort lecker höre. man stelle sich nun bitte vor, wie es mir gestern gegangen ist, als mein kind es erstmals gesagt hat. ja, es ist unvermeidlich, das war mir bewusst, dennoch hatte ich gehofft, dass wir mit ständigem akklamieren jedes “köstlich!” doch ein weilchen länger gegen das omnipräsente lecker halten könnten. nun ist es also heraußen, und ich lecke meine wunden.

meine phobie vor allen “gesund!”-argumenten im speziellen und gegenüber kindern im besonderen setze ich mittlerweile als bekannt voraus.

umso wohltuender ist da der kurze chat, der sich soeben mit einer anderen mutter ergeben hat, die gleichzeitig schwester im geiste ist. wir verabreden uns und die kinder mit dazu. sie lädt zu augarten und anschließender jause, ich bitte um situationselastizität, weil schlafverhalten und laune des meinigen kindes derzeit sehr variabel seien.
die andere mutter: “Situationselastisch it is. Ich werde auch Sorge tragen, dass die Jause ggf. nicht lecker ist.”
ich: “hervorragend! dann nehme ich am nachmittag einen garantiert vollkornfreien snack mit!”

kinder, kinder, endlich wieder!

kinder, kinder, endlich wieder!


lange lange hat mich mein eigenes kind (achtung, vorwand! in wahrheit ist’s die prioritätensetzung: zeit mit dem kind zu verbringen, ist noch ein alzerl lustiger als schreiben …) vom blogeintragschreiben abgehalten. jetzt gibt’s endlich wieder einmal einen beitrag!

ich hatte die ehre, mein im lauf der letzten jahre theoretisch und praktisch angesammeltes wissen ums essen mit kindern für den falstaff zusammenzufassen. herausgekommen ist das. nachzulesen noch viel schöner in der aktuellen printausgabe. freu mich!

isch wollte, autriche könnte un petit peu sein wie frongreisch!

isch wollte, autriche könnte un petit peu sein wie frongreisch!


ich bin im zuge der recherchen für mein fibl-projekt schule des essens wieder einmal auf was höchst erfreuliches gestoßen!

“wie man zählen lernt, so lernt man auch essen.”, “lebensmittel und kochkenntnisse schätzen”, “erhalten und fördern des kulinarischen erbes”, “nachhaltige produktionsweise ermuntern”, “biologische landwirtschaft entwickeln”, “echte annäherung ans essen, nicht nur nährstoffbasiert”, “dem kosumenten die lust und die freude am essen zurückgeben”, das und noch vieles mehr steht in einem offiziellen (!) französischen dokument, dem nationalen ernährungsprogramm nämlich. das nicht das gesundheitsministerium herausgegeben hat, sondern jenes für landwirtschaft, ernährung, fischerei, ländliche gebiete und regionale entwicklung.

von “gesund” ist darin kaum die rede, es heißt stattdessen “gut” und “zugang zu einer qualitätsvollen ernährung für alle” und selbst “ausgewogen” kommt nur in kombination mit “plaisir” vor.

da muss ich mir schon wieder was wünschen: so einen zugang zum essen nämlich, und zwar bitte sowohl bottom-up als auch top-down!

[download des programme national pour l’alimentation hier. dem dokument ist auch das beitragsbild entnommen.]

was sightseeing in linz mit ernährungsbildung zu tun hat

was sightseeing in linz mit ernährungsbildung zu tun hat


ein linzer taxler hat mich in meiner überzeugung bestätigt, dass das heranführen ans gute essen von kindern in der schule auch deren eltern positiv beeinflussen würde. das kam so:

ich war heute in bei einem termin in linz und bin vom bahnhof mit dem taxi an meinen bestimmungsort gefahren. herr bello erklärte mir, wo das alte landestheater war und dass es jetzt ein neues gebe. selbiges mit der landesregierung. er zeigte mir im vorbeifahren den neuen dom und erläuterte auch, dass es selbstverständlich auch einen alten gebe, der übrigens ignatius von loyola geweiht sei. und dass es noch eine linzer attraktion gebe, nämlich den postlingberg (sic!), auf den in altem look aber revitalisiert die gleichnamige bahn fahre.

herr bello kommt aus nigeria. ich stellte fest, seine ortskundigkeit anerkennend, dass er wohl schon lange in linz leben müsste. 20 jahre, ja, aber die vielen informationen hätte er selbst erst seit kurzem. „mein kind geht in die dritte volksschule, die lernen gerade alles über linz. und das erzählen sie dann zu hause … die lernen wirklich viel!“

ps: herr bello hat mir noch eine andere freude bereitet: er konnte auf meinen 50er nicht herausgeben. da ich aber angedeutet hatte, mich von ihm nach dem termin wieder abholen lassen zu wollen, gab er ihn mir kurzerhand wieder zurück und meinte, ich könnte ja beim zurückfahren beide fahrten bezahlen. und lustig hatten wir’s, nebenbei bemerkt, auch!

“i’ve probably got the best job in the world!”

“i’ve probably got the best job in the world!”


hätte ich kinder und kohle, würde ich sie (beide) in die vienna international school schicken. abgesehen davon, dass die ein unglaublich sympathisches learner profile und food design als unterrichtsfach (!) über mehrere jahre hinweg (!) haben, gibt’s dort eine lehrerin, die ein hammer ist: vor freude und leidenschaft sprühend, lustig, humorvoll, kumpelhaft, dabei eine natürliche autorität. die kinder lieben sie. und sie liebt die kinder. “darling” ist ihr im unterricht am häufigsten gebrauchtes wort …

WAS sie unterrichtet, ist sensationell. mit der klasse, in der ich dabei sein durfte, macht sie gerade eine “seasonality challenge”, bei der sie über sechs wochen hinweg rezepte saisonalisieren und zum schluss jedeR jugendliche seinen/ihren seasonal snack kreiert und zubereitet. (mit den älteren kids macht sie das dann mit vielen nachhaltigkeitsaspekten kombiniert.)

WIE sie unterrichtet, ist ebenso sensationell. sie geht so respektvoll mit den jungen menschen um, nimmt jedeN, wie er/sie ist, und absolut für voll. dass gleichzeitig dauernd der schmäh rennt, schmälert ihre autorität kein bisschen. in der pause stampert sie die kids von den büchern auf und raus aus der küche. “go! go! you know i love you most when you are not here!” sie befähigt die kinder, kaut ihnen nix vor, lässt sie alle antworten selber finden. “ms r., are lemons in season?” – “YOU tell me! look at what you wrote on page 12!” sie sagt nicht “don’t lose your workbooks!”, sondern: “your workbooks are very precious!” und sie lobt. ausgiebig.
dann gibt sie ihren schülerInnen noch homework, ermahnt sie aber eindringlich, sie noch vor den ferien zu machen, denn: “holidays are not for doing homework. at all!”
ganz zum schluss fragt sie die klasse, ihre klasse, noch, ob jemand auf der kürzlich zurückgekriegten mathe-arbeit einen 7er hat (= höchstnote). niemand. aber zwei haben einen 6er. “6 is almost a 7!”

solche fächer und vor allem solche lehrerInnenpersönlichkeiten wünsch’ ich allen schülerInnen dieser welt! dass sie allerschönstes british english sprechen, ist nicht unbedingt nötig … macht die sache im vorliegenden fall aber perfekt!

FiBL-Erhebung: Kinder und das gute Essen

FiBL-Erhebung: Kinder und das gute Essen



Liebe Eltern, Großeltern, LehrerInnen, Leute, die mit Kindern zu tun haben!

Lernt Ihr Kind in der Schule kochen? Werden im Unterricht oder in der schulischen Freizeitbetreuung Verkostungen oder Sinnesschulungen gemacht? Gibt es vielleicht sogar einen Schulgarten, eine Naschhecke oder Exkursionen zu Gärtnereien, auf Bauernhöfe oder zu anderen Lebensmittelproduzenten?

Wir bitten Sie um Ihre Hilfe! Wir, das ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Österreich, an dem ich, Theres Rathmanner, eine Erhebung mache. Wir sind auf der Suche nach Aktivitäten an österreichischen Schulen, die Kinder und das gute Essen zusammenbringen.

Wir suchen schulische Aktivitäten, die nicht vorrangig gesunde Ernährung im Auge haben. Aktivitäten, die Essen ganzheitlich vermitteln: als etwas, das im Boden wächst oder im Stall steht, in der Küche zubereitet wird und schließlich am Teller liegt. Essen, das sauber produziert wurde (z.B. nach den Kriterien bio, regional, saisonal, fair, tierfreundlich).
Wir suchen Aktivitäten, die sich dem Essen praktisch annähern, die kochen, backen, Exkursionen machen, garteln.
Aktivitäten, die Essen lustvoll vermitteln: Kochen und Zubereiten als Kulturgut, das Freude macht. Essen, das schmecken soll und mit allen Sinnen gekostet wird.
Aktivitäten, die den Kindern nicht etwas vorsetzen (seien es Informationen oder Essen), sondern die sie aktiv einbinden und ihnen Kompetenzen vermitteln. In denen sie in der Erde graben, selber ernten, schneiden, rühren, kneten, würzen …
(Wir suchen nicht Projekte wie gesunden Jause, gesundes Schulbuffet oder ähnliche. Auch nicht Workshops oder Unterrichtseinheiten, die sich ausschließlich theoretisch mit Ernährung oder ausschließlich mit dem Gesundheitsaspekt des Essens beschäftigen.)

Finden an der Schule Ihres Kindes solche ganzheitlichen, lustvollen, aktiven Aktivitäten statt? Dann helfen Sie uns bitte weiter, indem Sie uns zumindest Namen und Adresse der Schule, gerne auch weitere Infos zu Art und Inhalten der Aktivitäten und eventuell Ansprechpersonen wissen lassen. Bitte per E-Mail an theres.rathmanner(at)fibl.org.

Vielen herzlichen Dank für Ihre wertvolle Hilfe!
Wenn Sie an den Ergebnissen unserer Erhebung interessiert sind, schreiben Sie das bitte ins Mail, ich schicke Ihnen gerne einen Bericht!

Herzliche Grüße,
Theres Rathmanner

Dr. Theres Rathmanner
Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) Österreich
Doblhoffgasse 7/10
1010 Wien
www.fibl.org

lieblingsessen-empirie (nachtrag …


… zum geschmacksalon)

ich fange jeden kinderworkshop mit folgenden drei fragen an (ja, auch aus forschendem interesse, klar!)
1. wie heißt du?
2. was isst du am liebsten?
3. was ist dein lieblingsgetränk?

folgende nennungen kamen am sonntag (n = 25, nicht alle haben alle fragen beantwortet):
[1. tut hier nichts zur sache]
2. “kann ich nicht sagen, ich ess’ so vieles gerne” (5), palatschinken (2), grießnockerlsuppe (1), paradeissuppe (sic!) (1), pommes (1), pizza (1), spaghetti (1), schnitzel (1)
3. apfelsaft (10), nicht näher bezeichnete fruchtsäfte (5), orangensaft (2), wasser (1), cola (1, ich schwöre!), andere limonaden (0, ich schwöre noch einmal!)

ich find’ das sehr interessant …

heute: freude! und warum auf gutem boden das beste wächst


der kinderworkshop wirkt nach. zum einen freue ich mich sehr, sehr über die positive resonanz, allen voran jene von doris knecht. (nein, ich kenne sie nicht persönlich, und diese erwähnung war kein freundschaftsdienst, sondern offenbar echte begeisterung.)
zum zweiten freue ich mich, weil die arbeit mit den kindern nachhaltig frohmachend war. gut, ich gebe zu, das soeben abgeschlossene laufen in der sonne, macht die reflexion auch heller. trotzdem. wenn man sich dieser tage umschaut – regional, national und weltweit –, dann hat man eh nicht viel zum freuen. weil das aber für (mein) seelenheil so wichtig ist, konzentriere ich mich also jetzt ganz auf das gute.

das erste gute ist kärnten. und dass ich das einmal schreiben würde, hätte ich nie geglaubt. deshalb gleich doppelte freude.

das zweite gute sind die nachwehen vom workshop vorige woche, wie ja oben schon erwähnt. aber da geht’s noch ein bissl weiter. beim laufen kommen einem ja immer so gedanken. mit kindern zu arbeiten, war bisher immer freudig. ich bin ja generell eine menschenfreundin, und kinder sind mir die allerliebsten menschen. dennoch: der workshop hätte sich auch so entwickeln können, dass als resümee geblieben wäre: die kinder können nix (mehr) schmecken, sie bevorzugen aromatisierten fraß, und sie interessieren sich auch nur für fast food. aber das war nicht der fall. im gegenteil! großes interesse, große begeisterung, hohes qualitätsbewusstsein. das ist doch schön!

meine gedanken streiften weiter. viele der rückmeldungen gehen in die richtung: man muss bei den kindern anfangen mit dem gespür für gutes essen, weil wenn sie’s von anfang an kriegen, dann bleibt’s ihnen für immer. ich sehe das genauso. als wissenschaftlerin wie als gesellschaftsmitglied. ich wurde ja esstechnisch von meiner oma sozialisiert. mit gemüsegarten-regional-saisonal-frisch-küche. meine lieblingsspeisen als kind waren linsen mit semmelknödel sowie dillsoße mit selbiger beilage. ok, und das paprikahendl von der oma. mit zerkochten bandnudeln, davon habe ich mich ausnahmsweise wegentwickelt. die regional-saisonal-frischkoch-oma und ihr kochsalat mit erbsen waren auch der grund für unser kochbuch (omas bio-küche im kneipp-verlag) und überhaupt auch, warum ich essenstechnisch jetzt so drauf bin. meine beiden brüder wurden nur mehr teilsozialisiert von der oma, weil die mutter, als es dann drei von unserer sorte gab, doch ein zeitl zu hause blieb und selbst den kochlöffel schwang. von diesen beiden brüdern ist einer eh schon lange selber kochend. der andere, dereinst der begnadeste das-kleinste-fuzerl-zwiebel-aus-der-homogensten-soße-isolierer und -abscheider, genereller gemüseverweigerer und noch vor gar nicht allzu langer zeit dem thema essen hauptsächlich mit wurschtigkeit begegnender, hat mittlerweile ein biokistl abonniert, schloss sich jüngst katharina seisers meinung über die nicht-zufriedenstellende qualität der schwedenbomben an (ein erdrutsch, vergleichbar mit dem jüngsten in kärnten) und tut neuerdings sogar selber wurschten. was ich damit sagen will: der gute boden ist das wichtigste. da wächst dann einfach das beste drauf. auch wenn’s vielleicht einmal ein paar ([post-] pubertäre) jahre dauert.

mein klaus, noch mehr kind der 70er als ich, ist ja davon überzeugt, dass sich die umweltbewegung in österreich sozusagen children-up entwickelt hat. zumindest behauptet er, dass in seiner familie er es war, der als schüler die mülltrennung von der schule nach hause gebracht und daheim eingeführt hätte. sagen wir, es war so. und sagen wir, das funktioniert mit dem qualitätsbewusstsein beim essen analog. oh, ich freue mich!