unlecker und vollkornfrei (= weiß, daher das originelle bild!)

unlecker und vollkornfrei (= weiß, daher das originelle bild!)


ich kriege alle zustände, wenn ich das wort lecker höre. man stelle sich nun bitte vor, wie es mir gestern gegangen ist, als mein kind es erstmals gesagt hat. ja, es ist unvermeidlich, das war mir bewusst, dennoch hatte ich gehofft, dass wir mit ständigem akklamieren jedes “köstlich!” doch ein weilchen länger gegen das omnipräsente lecker halten könnten. nun ist es also heraußen, und ich lecke meine wunden.

meine phobie vor allen “gesund!”-argumenten im speziellen und gegenüber kindern im besonderen setze ich mittlerweile als bekannt voraus.

umso wohltuender ist da der kurze chat, der sich soeben mit einer anderen mutter ergeben hat, die gleichzeitig schwester im geiste ist. wir verabreden uns und die kinder mit dazu. sie lädt zu augarten und anschließender jause, ich bitte um situationselastizität, weil schlafverhalten und laune des meinigen kindes derzeit sehr variabel seien.
die andere mutter: “Situationselastisch it is. Ich werde auch Sorge tragen, dass die Jause ggf. nicht lecker ist.”
ich: “hervorragend! dann nehme ich am nachmittag einen garantiert vollkornfreien snack mit!”

kinder, kinder, endlich wieder!

kinder, kinder, endlich wieder!


lange lange hat mich mein eigenes kind (achtung, vorwand! in wahrheit ist’s die prioritätensetzung: zeit mit dem kind zu verbringen, ist noch ein alzerl lustiger als schreiben …) vom blogeintragschreiben abgehalten. jetzt gibt’s endlich wieder einmal einen beitrag!

ich hatte die ehre, mein im lauf der letzten jahre theoretisch und praktisch angesammeltes wissen ums essen mit kindern für den falstaff zusammenzufassen. herausgekommen ist das. nachzulesen noch viel schöner in der aktuellen printausgabe. freu mich!

freude! die schule des essens in der presse am sonntag!

freude! die schule des essens in der presse am sonntag!


große freude! gestern war eine reportage samt hintergrundinfos über die schule des essens in der presse am sonntag! “ziemlich alles übers essen”, welch’ schöner titel!

die schule des essens ist mein herzensprojekt, das ich seit februar 2014 am und mit dem forschungsinstitut für biologischen landbau österreich leite. bei dem es darum geht, schülerInnen und das gute essen zusammenzubringen. das mich das letzte jahr intensiv beschäftigt hat.

bernadette bayrhammer, redakteurin aus dem bildungsressort der presse, fand das interessant, hat sich mit mir getroffen und jede menge infos von mir entgegengenommen. vorige woche war sie beim workshop an der nms schopenhauerstraße dabei. beides zusammen floss in ihren beitrag ein, der ganz wunderbar erklärt, was die schule des essens ausmacht.

was ich unbedingt ergänzen will: den workshop in der nms schopenhauerstraße habe ich zwar noch angebahnt, aber alle verdienste um die konzeption und umsetzung gehen an andrea fičala – und die pädagogInnen an der schule. andrea, auch ernährungswissenschafterin, auch genießerin, auch undogmatisch, auch mit schwerpunkt nachhaltigkeit, hat die projektleitung mit meiner karenzierung übernommen, und ich könnte mir keineN bessereN vorstellen. schade, dass andreas verdienste im presse-beitrag nicht erwähnt werden! deshalb aber hier umso deutlicher: vielen dank und große freude, andrea, dass du an bord bist!

die schule des essens wird übrigens auch in der aktuellen bio-fibel vorgestellt, da ist auch andrea dabei! seiten 12 und 13.

[das obige bild ist von einem anderen als dem genannten workshop, nämlich von jenem im bg wasagasse im herbst 2013. beim jetzigen war ich leider nicht (mehr) dabei …]

isch wollte, autriche könnte un petit peu sein wie frongreisch!

isch wollte, autriche könnte un petit peu sein wie frongreisch!


ich bin im zuge der recherchen für mein fibl-projekt schule des essens wieder einmal auf was höchst erfreuliches gestoßen!

“wie man zählen lernt, so lernt man auch essen.”, “lebensmittel und kochkenntnisse schätzen”, “erhalten und fördern des kulinarischen erbes”, “nachhaltige produktionsweise ermuntern”, “biologische landwirtschaft entwickeln”, “echte annäherung ans essen, nicht nur nährstoffbasiert”, “dem kosumenten die lust und die freude am essen zurückgeben”, das und noch vieles mehr steht in einem offiziellen (!) französischen dokument, dem nationalen ernährungsprogramm nämlich. das nicht das gesundheitsministerium herausgegeben hat, sondern jenes für landwirtschaft, ernährung, fischerei, ländliche gebiete und regionale entwicklung.

von “gesund” ist darin kaum die rede, es heißt stattdessen “gut” und “zugang zu einer qualitätsvollen ernährung für alle” und selbst “ausgewogen” kommt nur in kombination mit “plaisir” vor.

da muss ich mir schon wieder was wünschen: so einen zugang zum essen nämlich, und zwar bitte sowohl bottom-up als auch top-down!

[download des programme national pour l’alimentation hier. dem dokument ist auch das beitragsbild entnommen.]

was sightseeing in linz mit ernährungsbildung zu tun hat

was sightseeing in linz mit ernährungsbildung zu tun hat


ein linzer taxler hat mich in meiner überzeugung bestätigt, dass das heranführen ans gute essen von kindern in der schule auch deren eltern positiv beeinflussen würde. das kam so:

ich war heute in bei einem termin in linz und bin vom bahnhof mit dem taxi an meinen bestimmungsort gefahren. herr bello erklärte mir, wo das alte landestheater war und dass es jetzt ein neues gebe. selbiges mit der landesregierung. er zeigte mir im vorbeifahren den neuen dom und erläuterte auch, dass es selbstverständlich auch einen alten gebe, der übrigens ignatius von loyola geweiht sei. und dass es noch eine linzer attraktion gebe, nämlich den postlingberg (sic!), auf den in altem look aber revitalisiert die gleichnamige bahn fahre.

herr bello kommt aus nigeria. ich stellte fest, seine ortskundigkeit anerkennend, dass er wohl schon lange in linz leben müsste. 20 jahre, ja, aber die vielen informationen hätte er selbst erst seit kurzem. „mein kind geht in die dritte volksschule, die lernen gerade alles über linz. und das erzählen sie dann zu hause … die lernen wirklich viel!“

ps: herr bello hat mir noch eine andere freude bereitet: er konnte auf meinen 50er nicht herausgeben. da ich aber angedeutet hatte, mich von ihm nach dem termin wieder abholen lassen zu wollen, gab er ihn mir kurzerhand wieder zurück und meinte, ich könnte ja beim zurückfahren beide fahrten bezahlen. und lustig hatten wir’s, nebenbei bemerkt, auch!

“i’ve probably got the best job in the world!”

“i’ve probably got the best job in the world!”


hätte ich kinder und kohle, würde ich sie (beide) in die vienna international school schicken. abgesehen davon, dass die ein unglaublich sympathisches learner profile und food design als unterrichtsfach (!) über mehrere jahre hinweg (!) haben, gibt’s dort eine lehrerin, die ein hammer ist: vor freude und leidenschaft sprühend, lustig, humorvoll, kumpelhaft, dabei eine natürliche autorität. die kinder lieben sie. und sie liebt die kinder. “darling” ist ihr im unterricht am häufigsten gebrauchtes wort …

WAS sie unterrichtet, ist sensationell. mit der klasse, in der ich dabei sein durfte, macht sie gerade eine “seasonality challenge”, bei der sie über sechs wochen hinweg rezepte saisonalisieren und zum schluss jedeR jugendliche seinen/ihren seasonal snack kreiert und zubereitet. (mit den älteren kids macht sie das dann mit vielen nachhaltigkeitsaspekten kombiniert.)

WIE sie unterrichtet, ist ebenso sensationell. sie geht so respektvoll mit den jungen menschen um, nimmt jedeN, wie er/sie ist, und absolut für voll. dass gleichzeitig dauernd der schmäh rennt, schmälert ihre autorität kein bisschen. in der pause stampert sie die kids von den büchern auf und raus aus der küche. “go! go! you know i love you most when you are not here!” sie befähigt die kinder, kaut ihnen nix vor, lässt sie alle antworten selber finden. “ms r., are lemons in season?” – “YOU tell me! look at what you wrote on page 12!” sie sagt nicht “don’t lose your workbooks!”, sondern: “your workbooks are very precious!” und sie lobt. ausgiebig.
dann gibt sie ihren schülerInnen noch homework, ermahnt sie aber eindringlich, sie noch vor den ferien zu machen, denn: “holidays are not for doing homework. at all!”
ganz zum schluss fragt sie die klasse, ihre klasse, noch, ob jemand auf der kürzlich zurückgekriegten mathe-arbeit einen 7er hat (= höchstnote). niemand. aber zwei haben einen 6er. “6 is almost a 7!”

solche fächer und vor allem solche lehrerInnenpersönlichkeiten wünsch’ ich allen schülerInnen dieser welt! dass sie allerschönstes british english sprechen, ist nicht unbedingt nötig … macht die sache im vorliegenden fall aber perfekt!

FiBL-Erhebung: Kinder und das gute Essen

FiBL-Erhebung: Kinder und das gute Essen



Liebe Eltern, Großeltern, LehrerInnen, Leute, die mit Kindern zu tun haben!

Lernt Ihr Kind in der Schule kochen? Werden im Unterricht oder in der schulischen Freizeitbetreuung Verkostungen oder Sinnesschulungen gemacht? Gibt es vielleicht sogar einen Schulgarten, eine Naschhecke oder Exkursionen zu Gärtnereien, auf Bauernhöfe oder zu anderen Lebensmittelproduzenten?

Wir bitten Sie um Ihre Hilfe! Wir, das ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Österreich, an dem ich, Theres Rathmanner, eine Erhebung mache. Wir sind auf der Suche nach Aktivitäten an österreichischen Schulen, die Kinder und das gute Essen zusammenbringen.

Wir suchen schulische Aktivitäten, die nicht vorrangig gesunde Ernährung im Auge haben. Aktivitäten, die Essen ganzheitlich vermitteln: als etwas, das im Boden wächst oder im Stall steht, in der Küche zubereitet wird und schließlich am Teller liegt. Essen, das sauber produziert wurde (z.B. nach den Kriterien bio, regional, saisonal, fair, tierfreundlich).
Wir suchen Aktivitäten, die sich dem Essen praktisch annähern, die kochen, backen, Exkursionen machen, garteln.
Aktivitäten, die Essen lustvoll vermitteln: Kochen und Zubereiten als Kulturgut, das Freude macht. Essen, das schmecken soll und mit allen Sinnen gekostet wird.
Aktivitäten, die den Kindern nicht etwas vorsetzen (seien es Informationen oder Essen), sondern die sie aktiv einbinden und ihnen Kompetenzen vermitteln. In denen sie in der Erde graben, selber ernten, schneiden, rühren, kneten, würzen …
(Wir suchen nicht Projekte wie gesunden Jause, gesundes Schulbuffet oder ähnliche. Auch nicht Workshops oder Unterrichtseinheiten, die sich ausschließlich theoretisch mit Ernährung oder ausschließlich mit dem Gesundheitsaspekt des Essens beschäftigen.)

Finden an der Schule Ihres Kindes solche ganzheitlichen, lustvollen, aktiven Aktivitäten statt? Dann helfen Sie uns bitte weiter, indem Sie uns zumindest Namen und Adresse der Schule, gerne auch weitere Infos zu Art und Inhalten der Aktivitäten und eventuell Ansprechpersonen wissen lassen. Bitte per E-Mail an theres.rathmanner(at)fibl.org.

Vielen herzlichen Dank für Ihre wertvolle Hilfe!
Wenn Sie an den Ergebnissen unserer Erhebung interessiert sind, schreiben Sie das bitte ins Mail, ich schicke Ihnen gerne einen Bericht!

Herzliche Grüße,
Theres Rathmanner

Dr. Theres Rathmanner
Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) Österreich
Doblhoffgasse 7/10
1010 Wien
www.fibl.org

“die karotten schmeckt man gar nicht heraus!”

“die karotten schmeckt man gar nicht heraus!”


20. november 2013, kurz vor mittag. eine erste klasse in einem wiener gymnasium im neunten bezirk. zwei stunden stehen noch am stundenplan: biologie und englisch. heute allerdings nicht, heute stehe ich vorne und essen im mittelpunkt. die biologielehrerin spricht einleitende erklärende worte, da sind noch alle ruhig und still. “brav” würde meine oma sagen. doch damit ist’s eh gleich vorbei. ich darf übernehmen. stelle mich kurz vor. drei mittwochsdoppelstunden an drei aufeinanderfolgenden wochen werde ich mit den 28 aufgeweckten jungen damen und herren verbringen. ob wir auch was essen würden? “na selbstverständlich!” und was machen wir heute? “heute lege ich euch hinein!”
bevor’s losgeht, stellen ich noch klar, dass ich keine “frau ‘fessa” bin, theres heiße und sehr gerne auch so angesprochen werde. wird nicht durchgehend funktionieren. macht aber nix.
wir fangen an. mit einem als quiz getarnten fragebogen, um den wissens-ist-stand der kids zu erheben. (für mich sind ja menschen immer auch forschungsobjekte, und natürlich will ich meine arbeit evaluieren.) die sind ratz-fatz fertig. schlaue kerlchen! und kennen sich auch schon ganz schön gut aus. offenbar gibt’s da viel ernährungs- und auch nachhaltigkeitsbewusstsein bei den eltern.

dann kommt das reinlegen. natürlich habe ich wieder vorbereitend gepantscht. ich ziehe aus meinem einkaufstraktor grün gefärben orangensaft, das eh schon bekannte rosa gefärbte naturjogurt und das weiße erdbeeraromatisierte. und noch viele schöne dinge mehr. die kinder verkosten wechselweise mit offenen und geschlossenen augen, nase, nur mit angreifen, ganz ohne hände, auch mit den ohren. und auch sie tappen schön in die erdbeerjogurtfalle! es folgt eine rallye durch die fünf geschmacksrichtungen. der lärmpegel liegt mittlerweile hart an der grenze des erträglichen. soll sein, meine prioritäten liegen anderswo.
(dennoch muss ich mich, als ich nach dem workshop ins büro komme, für ein halbes stunderl hinlegen. die kids sind fordernd, und der lärm strengt an. wieder einmal empfinde ich großen respekt vor allen lehrerInnen, die viele tage pro woche viele stunden in der klasse stehen. und ich verstehe sie, dass sie die kinder laufend zur ruhe mahnen. für eineN zuschauerIn schaut das anfangs befremdlich nach drill aus, nach zwei stunden weiß man: anders hält man das nicht aus!)

eine woche später. ich rolle wieder mit meinem trolley an. zwei mädels sehen mich schon von weitem und kommen, wie aufgeregte henderl mit den flügeln flatternd, auf mich zu: “was machen wir heute???” und: “legen sie, ah, legst du uns heute wieder hinein?”
im gegenteil! heute besorgen wir uns rüstzeug, um genau nicht hineingelegt zu werden. wir machen qualitätstraining. schauen uns verpackungen an und einen werbefilm. lernen echte von trickser-gütesiegeln zu unterscheiden. und verkosten lebensmittel unterschiedlicher qualität. dabei läuft nicht alles drehbuchkonform. bei der weißen schokolade beispielsweise wird der zotter-variante zwar höchste qualität zugesprochen, im vergleich schmeckt den kids aber die aromatisierte nicht-bio- und nicht-fair-trage-junior-schokolade am besten. bei den vanillejogurts ist’s nicht ganz so eindeutig, die aromatisierten fallen auf jeden fall nicht ab gegen das echte. beim essig gewinnt aber der birnen-balsamico. und bei den ölen das scharfe olivenöl gegenüber dem faden bratöl. nur das (bio, österreichische und super-gesunde) leinöl fällt ganz durch. viel zu bitter! beim brot gibt’s keine eindeutigen vorlieben. die heimlichen stars heute, vermute ich, sind aber eh weniger die lebensmittel, sondern die einweg-pasteur-pipetten …

4. dezember. workshop teil drei. wir simulieren einkaufen, und wir kochen. oder eher: wir zubereiten. vanillejogurt echt und voll-künstlich (süßstoff und aroma und farbstoff). topfenaufstrich mit dem wähh-bitteren leinöl der vorwoche. und einen linsen-buchweizen-salat mit zwiebel, karotte, kräutern der provence und birnen-balsamico-olivenöl-dressing (auch von der vorwoche). der salat ist ein hasardieren, der kann voll ins auge gehen. linsen und buchweizen! wähhh! ist auch die häufigste erste reaktion. ich habe ihn aber ganz bewusst auf die workshopliste gesetzt, weil ich den kids damit auch erläutern will, dass genau das, nämlich getreide und hülsenfrüchte, tierfutter nummer eins und zwei sind. dass in einem kilo fleisch bis zu zehn kilo futtermittel stecken. und dass genau diese lebensmittelgruppen auch super-nahrhaft für den menschen sind – und vielleicht sogar gut schmecken. und wieder einmal geht die rechnung auf: selber rühren, mischen, würzen, kosten … und plötzlich schmeckt das zeug! “ich mag keine karotten und normalerweise schmeckt man die in einem salat immer total heraus. aber in diesem salat merkt man sie gar nicht. das muss an dem vielen öl liegen!” auch der topfen-leinöl-aufstrich schmeckt. beim vanillejogurt gewinnt leider wieder das künstliche (die zubereitungsgruppe des natürlichen hat meiner meinung nach zu wenig gezuckert). aber – freude! – fast jedes kind hat fast alles gekostet!
zum schluss kommt der quiz-fragebogen wieder zum einsatz. und, ja, die durchschnittlich erreichte punktezahl ist von 16,3 auf 20,8 (von maximal 26) gestiegen! sie haben also was dazugelernt. und es hat ihnen freude gemacht. ihre schlussevaluierung an mich und den workshop in smileyform (lachend, indifferent oder grantig) ist jedenfalls einstimmig lachend!

es war mir wieder einmal eine riesen-freude! ich bedanke mich ganz, ganz herzlich bei josef zotter, der diese workshop-reihe finanziert hat! und hoffe auf viele weitere gelegenheiten …